Frisch wieder von den Galapagos-Inseln zurückgekehrt und schon wieder im Playas-Alltag. Naja, Alltag sollte ich es vielleicht nicht nennen, schließlich sind es hier meine letzten Tage in Ecuador. In einer Woche geht es schon wieder zurück, was ich im Moment gar nicht gut finde. Ich habe mich mittlerweile so an dieses Leben gewöhnt; ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, in Deutschland zu wohnen, wo jeder alles gut durchplant, wo die Menschen immer pünktlich kommen, wo alle in ihren Häusern sitzen und mich niemand mehr auf der Straße grüßt. Wo es schrecklich kalt ist und die Sonne nur selten scheint. Wo nicht meine liebe Gastfamilie und meine ganzen Playas-Freunde wohnen.
Klar, ich freue mich schon riesig auf die Wiedersehen mit euch allen. Es ist ja nicht so, dass ich euch gar nicht vermisst habe. Trotzdem habe ich jetzt zwei verschiedene Leben und das eine muss ich jetzt bald hinter mir lassen, um wieder mein anderes zu haben.
Ich habe es mir nie so schwierig vorgestellt, diesen wunderschönen, unbeschreiblichen, nicht immer einfachen, aber unersetzbaren Lebensabschnitt zu beenden. Eins ist klar: Ich werde zurück nach Ecuador kommen! So bald, wie möglich.
Nun zu den Galapagos-Inseln: Es war der Hammer!!! Was wir alles gesehen haben…! Riesenschildkröten, Rochen, riesige Seesterne, Meeresechsen und gaaanz viele Seelöwen, die aber am Ende wie selbstverständlich auf den Steinen herumlagen. Wir haben eine Kreuzfahrt gemacht, bei der wir tagtäglich verschiedene Inseln besuchen und somit das meiste von Galapagos mitnehmen konnten. Das Schiff war der Hammer!! Es gab ein superleckeres Buffet, eine warme Dusche, flauschige Handtücher und ne Klospülung!! Lena und ich waren völlig beeindruckt und es ist sogar ein bisschen Vorfreude auf das Luxusleben in Deutschland aufgekommen. Ich kann diese Reise leider nicht gut beschreiben. Sie ist einfach unbeschreiblich! Vielleicht sind die Fotos am besten, um einen Eindruck zu bekommen.
Achja, und jetzt das wichtigste: Mama und Papa sind da! Sie haben den langen Flug über den riesigen Ozean überstanden und sind heile in Guayaquil angekommen. Was ich bisher von ihnen erleben durfte, hat gezeigt, dass sie begeistert von dem Land sind, in dem ich die letzten Monate verbracht habe. Sie haben sich sofort in meine Gastfamilie (vor allem die Kinder) verliebt. Die Hitze macht ihnen schon ein bisschen zu schaffen, aber es ist immer noch besser als das Matschschnee-Deutschland, was sie vor kurzem verlassen haben. ;-) Sie meinten, sie hätten sich hier alles ganz anders vorgestellt. So, wie ich immer auf meinem Blog schreibe, stellt man sich das Paradies vor, in dem man unbedingt Urlaub machen muss. Sie meinten, ich hätte so viel von meinem Leben hier geschwärmt, dass sie schon sehr geschockt waren, als sie gesehen haben, wie es wirklich hier ist. Als sie das sagten, habe ich gemerkt, dass ich wohl so begeistert von den Menschen hier war, dass ich ganz vergessen habe, zu erwähnen, wie arm die Verhältnisse hier sind. Womit man sich abfinden muss und wie anders der Lebensstandard im Vergleich zu dem in Deutschland ist. Stimmt eigentlich, es ist echt krass, wie die Leute hier tagtäglich leben. Es ist eben nicht das Paradies, in dem ich gelebt habe. Die Menschen hier fragen sich jeden Tag, wie viel Geld sie denn heute zur Verfügung haben und ob sie damit ihre Familie ernähren können. Wenn etwas kaputt geht, gibt es ein großes Theater, weil sie nicht wissen, wie sie es ersetzen können. Tja, ich habe wirklich die letzten fünf Monate in Armut gelebt und es nicht gemerkt.
Zum Schluss eine Beruhigung fuer diejenigen, die vielleicht in den Nachrichten vom Vulkanausbruch hier in Ecuador gehoert haben: Uns geht es gut. Auf der Reise meiner Eltern haben die beiden zwar den Rauch gesehen, aber sonst haben sie nichts davon mitbekommen. Den Weltuntergang haben wir uebrigens auch ueberlebt! :D